Wie umweltschädlich ist das jährliche Silvesterfeuerwerk tatsächlich? Wahre Fakten über Feuerwerkskörper!
Feuerwerk und Umwelt, sind diese zwei Dinge miteinander vereinbar? Wie schädlich ist Feuerwerk tatsächlich für Mensch und Natur? Ob Feuerwerk tatsächlich so schlecht, schädlich oder gefährlich ist, wie es in manch einem Artikel dargestellt wird, werden wir nun anhand realer Fakten beleuchten. Um den Vorwürfen der Lärmbelästigung, Vermüllung und gesundheitsschädigenden Wirkung (beispielsweise durch Feinstaub) zu beleuchten, müssen wir zuerst zurück zu den Basics gehen: Aus welchen Materialien werden Feuerwerkskörper hergestellt und welche Chemikalien sind in pyrotechnischen Effekten enthalten? Danach klären wir anhand belastbarer Zahlen, ob das Zünden von Feuerwerkskörpern umweltschädlich ist und wieviel Schadstoffe wie CO2, Stickoxide und Feinstaub im jährlichen Silvesterfeuerwerk tatsächlich entstehen.
Woraus werden Feuerwerkskörper hergestellt?
Dazu ist es wichtig sich vorab anzuschauen, welche Materialen in Feuerwerkskörpern verbaut werden. Feuerwerk besteht aus Pappe (Hülsen, Rohre, Stopfen, Umkartons, Standfüße, Kappen), Holz für Raketenleitstäbe und Standfüße, Klebstoff, Plastik (Verpackungen, Raketenköpfe, Stopfen, Standfüße, Kappen), Verdämmstoffe wie Tonerde und Holzspäne und zu guter Letzt Chemikalien in Form von pulverförmigen, pyrotechnischen Sätzen→ Diese machen ca. 25% der Bruttomasse des Feuerwerks aus. Da laut DUH im Jahr 2018 40.000 t Feuerwerk importiert wurden, beträgt die Masse an Verpackungsmaterial und aller weiteren, nicht explosiven Stoffe 30.000 Tonnen. Der Wasserlösliche Kleber und die verwendete Altpappe sind nicht das Problem, als problematischer gelten das Plastik und die Verbrennungsprodukte der pyrotechnischen Sätze. Die Debatte um Plastikmüll ist auch an den deutschen Importeuren nicht vorbei gegangen, so wurden beispielsweise seit 2014 sämtliche Plastikverpackungen von Batteriefeuerwerk durch Umkartons ersetzt. Mittlerweile gibt es ebenfalls eine vielversprechende Alternative für Raketenköpfe, welche den Plastikanteil des Feuerwerks deutlich reduzieren wird. Weitere Bestrebungen sind, die in den Discountern häufig erhältlichen Blisterverpackungen durch Pappschachteln zu ersetzten.
Welche Chemikalien sind in pyrotechnischen Sätzen enthalten und wie schädlich sind diese für Mensch und Umwelt?
Die Bandbreite an Effekten im Feuerwerk ist sehr groß, die Vielfalt an verwendeten Chemikalien hält sich dabei im Rahmen, es sind zwar viele, jedoch würde die Chemie unglaublich viel mehr Zusätze in Pyrotechnischen Sätzen zulassen. Vorab sei gesagt, dass auch in diesem Sektor Veränderungen durchgeführt wurden, um hier die prägnantesten zu nennen: Es dürfen keine bleihaltigen und auch keine Arsenhaltigen Sätze verwendet werden (beide sind sehr giftig!). Mit welchen Chemikalien werden pyrotechnische Sätze hergestellt? Der bekannteste und am meisten verwendete Satz besteht aus Kaliumnitrat, Kohle und Schwefel: Schwarzpulver. Es ist kein Schwermetall enthalten, die toxikologische und umwelttechnische Gefahr der Chemikalien an sich und den daraus resultierenden Verbrennungsprodukten geht gegen null. Goldeffekte bestehen aus den gleichen Komponenten wie Schwarzpulver, daher sind auch diese nicht bedenklich.
Im Folgenden haben wir zur besseren Übersicht eine Tabelle mit üblichen Farbgebern erstellt.
Die meisten werden sich wundern, dass ein großer Bestandteil von Wunderkerzen gesundheitsschädlich für Menschen ist. Seltsam, dabei zündet doch wirklich jeder Mensch eine Wunderkerze zu bestimmten Anlässen! Und genau das ist der Punkt. Jeder hat schonmal eine Wunderkerze in den Händen gehalten und entzündet, trotz Einstufung als gesundheitsschädlicher (sogar giftig bei Verschlucken!) Stoff hat bisher niemand Beschwerden erlitten, stimmts? Die Dosis an giftigen Stoffen, die unfreiwillig eingeatmet werden, ist schlicht viel zu gering. Um absolute Zahlen zu nennen: Die LD50 Dosis, das ist die Dosis, bei der während Tierversuchen an Ratten 50% der Versuchstiere starben, liegt bei dem Verbrennungsprodukt (Bariumoxid) von Bariumnitrat haltigen Mischungen wie weißen Effekten, Blinksternen, einige grüne Effekte und Wunderkerzen bei 50mg/Kg. Für einen 70Kg schweren Menschen bedeutet dies, dass 3,5g Bariumoxid in den Körper gelangen müssen, um mit 50%iger Wahrscheinlichkeit eine Lebensbedrohliche Dosis eingenommen zu haben. Das hört sich nun sehr wenig an, aber wie eine Rechnung im folgenden Abschnitt „Feinstaub“ zeigt, ist diese Dosis doch extrem schwer zu erreichen!
Neben den genannten Chemikalien finden viele weitere Verwendung in der Pyrotechnik. Es handelt sich um organische Brennstoffe und Bindemittel [RedGrum, Dextrin, PVB, verschiedene Harze, etc.], metallische Brennstoffe [Magnesium, Magnalium, Aluminium, Silizium, Titan, etc.], Chlordonatoren für brillante Farben [PVC, Parlon, PVC-d, etc.] und eine Reihe von Oxidationsmitteln [Kaliumperchlorat, Ammoniumperchlorat, selten noch Kaliumchlorat]. Diese Chemikalien sind weder schädlich für die Umwelt, noch schädlich für Menschen. Trotzdem sollten diese nicht gegessen werden, das gilt aber auch für einen großen Löffel Speisesalz oder einen Löffel Glasfaser.
Als gasförmige Reaktionsprodukte entstehen CO2, verschiedene Schwefelverbindungen wie SO2 und H2S, Kohlenstoffmonoxid, Stickstoff, Lachgas und eine Reihe weiterer fester Produkte wie verschiedene Bestandteile von Asche [Kaliumcarbonat, Kaliumsulfat, Kohlenstoff] sowie eine große Bandbreite weiterer Produkte. Genaue qualitative Vorhersagen an Reaktionsprodukten sind schwierig zu treffen, da Reaktionen, die mit mehrteilig zusammengesetzten pyrotechnischen Sätzen bei sehr hohen Temperaturen ablaufen, sehr komplex sind. Es ist festzuhalten, dass nicht alle Verbrennungsprodukte ungiftig bzw. unschädlich sind. Die Menge der freigesetzten giftigen Gase ist jedoch sehr gering.
Es stellt sich nun aber die Frage: Weshalb werden vor allem die in der Tabelle als schädlich aufgeführten Chemikalien weiterhin verwendet und nicht einfach ersetzt?
Für Kupfersalze zum Erzeugen eines blauen Effekts ist die Antwort leider eindeutig: Diese können nicht ersetzt werden. Neben Kupferionen können nur Bleiionen und eine Auswahl an radioaktiven Stoffen bei Anregung blaues Licht emittieren (Ausstrahlen), ohne von einer weiteren Farbe, die ebenfalls im selben Stoff emittiert wird, überdeckt zu werden. Kupfersalze sind für blaue Farben und deren Mischungen, beispielsweise violett, nicht durch eine „freundlichere“ Alternative zu ersetzen.Giftiges Bariumnitrat hingegen ist unserer Meinung nach für grüne und weiße Sätze nicht unbedingt notwendig. In weißen Sätzen wird Bariumnitrat eingesetzt, um eine längere Brenndauer zu erreichen. Würde weißes Licht nur durch Magnesium emittiert werden, wäre der Effekt von kürzerer Dauer als ein vergleichbar großer, pyrotechnisch ausgereifter Satz mit Bariumnitrat und verschiedenen Metallen.
Für grüne Effekte wird sich die Eigenschaft von Bariumnitrat zunutze gemacht, dass dieses durch weniger Energie in seine beiden Ionen zerfällt. Dadurch lassen sich bei niedrigeren Temperaturen während der Verbrennung temporäre Bariumchloride in der Gasphase erzeugen, die dann grün leuchten. Lange Rede, kurzer Sinn: Die Verwendung von Bariumnitrat anstelle von anderen Bariumsalzen, wie Bariumcarbonat oder Bariumsulfat, ermöglicht ein satteres und besseres Grün. Wir sehen aber: Unbedingt notwendig ist die Verwendung von Bariumnitrat nicht.
Jedoch wäre es nicht effektiv, dieses für grüne Effekte zu ersetzen, da das gesundheitsschädliche Bariumoxid weiterhin als Verbrennungsprodukt entstehen wird. Einzig die Menge an produzierten Stickstoffoxiden wird sich verringern.
Als Fazit ist demnach festzuhalten, dass die am häufigsten vorkommenden Effekte im Feuerwerk zum Großteil unschädlich für Mensch und Natur sind. Wie das Beispiel der Wunderkerze zeigt, macht die Dosis das Gift. Um solche hohen Dosen einzuatmen bzw. dem Körper zuzuführen, müsste eine Person mutmaßlich jede Rauchschwade inhalieren, die an Silvester in erreichbarer Nähe zu finden wäre! (Konkrete Rechnung dazu im nächsten Kapitel)
Zum Thema Ersetzbarkeit der schädlichen Stoffe lässt sich sagen, dass es nicht zielführend wäre, Kupfer- und Bariumsalze in farbigen Effekten zu ersetzen. Für weiße Effekte wäre es hingegen denkbar, Bariumsalze nicht mehr zu verwenden.
Mit den vorher angesprochenen Blei- und Arsensalzen wurden die letzten sehr giftigen Bestandteile gesetzlich aus dem Feuerwerk verbannt.
Wieviel Feinstaub entsteht durch Silvesterfeuerwerk?
Ein wohl sehr polarisierender Punkt: krebserregender Feinstaub, wird seit Jahren heftig diskutiert, mit viel Panik und Hysterie!
Die Feinstaubdebatte griff plötzlich auch das Silvesterfeuerwerk an, doch was hatte es damit auf sich?
Wollen wir erstmal erklären, was beim Abbrennen von Feuerwerk passiert: Der Pyrotechnische Satz entwickelt durch Reaktion der einzelnen Komponenten neue Stoffe (genannt Produkte). Diese können flüssig, gasförmig oder fest sein. Gasförmige Produkte machen sich meistes als Geruch bemerkbar, feste und flüssige Produkte sind als „Rauchwolke“ sichtbar. Eben diese Rauchwolke beinhaltet neben gröberen Partikeln auch Feinstaub mit Partikelgrößen von unter 10µm. Dieser gilt durch sehr tiefes Eindringen in die Lunge als Gesundheitsschädlich. Nur um es nebenbei zu erwähnen: Der Rauch einer Zigarette oder einer Shisha beinhaltet eine beachtliche Menge Feinstaub, die Toxizität dieser Tabakwaren wurde bereits etliche Male nachgewiesen!
Die aktuelle, vom UBA anerkannte und vom VPI beauftragten Studie (durchgeführt von Dr. Fritz Keller und Christian Schragen, https://onlinelibrary.wiley.com/doi/epdf/10.1002/prep.202000292) besagt: Pro Jahr werden rund 2.000 statt der zuvor genannten 4.200 Tonnen Feinstaub durch Feuerwerk emittiert. Der Anteil des an Silvester erzeugten Feinstaubs liegt dabei bei 1.477 Tonnen. Die weiteren 573 Tonnen entfallen auf die unterjährigen Feuerwerke. Bei einer jährlichen Gesamtbelastung von zirka 210.000 Tonnen Feinstaub PM10 pro Jahr in Deutschland beträgt der Anteil des Feuerwerks zusammengenommen gerade einmal 0,97 Prozent. Der Anteil des Silvesterfeuerwerks beträgt 0,7 Prozent. (Zum Vergleich: Staatlich geförderte Holzfeuerungsanlagen machen hingegen rund neun Prozent aus). Messstationen messen Werte von weit über der 50 mg/m3 Grenze. Stellenweise sind es bis 1.000 mg/m3 Feinstaub. Das ist sehr interessant, da wir nun eine Rechnung bezüglich des vorher genannten giftigen Bariumoxids machen können.
Fragestellung: Wie oft muss ein „Durchschnittsmensch“ in einer Rauchwolke stehen und tief einatmen, bis die letale Dosis von 3,5g Bariumoxid eingeatmet wurde?
Rechnung: Es werden stellenweise bis zu 1000 mg/m3 Feinstaub gemessen. Nehmen wir vereinfacht an, dass dieser zu 10% aus Bariumoxid besteht (das ist schon sehr hoch gegriffen). Das durchschnittliche Lungenvolumen eines Menschen liegt bei 3-4 Litern.
Eine 75Kg schwere Person müsste demnach = 3,5 m3 Luft einatmen, die genau den gemessenen Höchstwert an Feinstaub beinhaltet. Um diese 3,5 Kubikmeter Luft aufzunehmen, muss eine Person zwischen * 0,1 = 8.750 Atemzüge und * 0,1 = 11.660 Atemzüge machen.
[Umrechnungsfaktoren: 1 L = 0,001 m3 ; 1g = 1.000 mg ; 1% = 0,001]
Feuerwerk produziert beim Abbrennen neben 42% Feinstaub ebenfalls größere Partikel, die nicht als Feinstaub gelten. Die Treibhausgasemission liegt laut UBA bei 23%. Lassen wir außer Acht, dass
1. Neben Treibhausgasen auch weitere gasförmige Produkte entstehen und
2. Auch flüssige Produkte möglich sind,
Dann beträgt die gesamte Menge an Staub jeglicher Partikelgrößen 35%. Die müssen auf nun zur Staubmenge dazu gerechnet werden, bzw. von der Menge an Atemzügen abgezogen werden.
So lautet unser Ergebnis: Eine Person müsste zum Einatmen einer letalen Dosis zwischen
8.750 * 0,65 = 5687,5 Atemzüge und 11.660 * 0,65 = 7.579 Atemzüge machen.
Das Ergebnis spricht Bände, wenn man sich also direkt an einer Feinstaubmessstation mit Höchstmesswerten befindet, was allein schon unwahrscheinlich ist, müsste man mehrere tausend tiefe Luftzüge nehmen, um sich einer gar tödlichen Dosis auszusetzen. Die Rechnung bezieht sich nicht auf die generell schädliche Wirkung von Feinstaub für die Lunge. Daher ist es der Lunge wegen dennoch ratsam, Feinstaubhotspots zu meiden.
Welche Menge dagegen bereits krebserregend ist, dazu fehlen schlicht aussagekräftigen Studien. Und selbst dann muss man genau recherchieren, wer diese Studien finanziert hat!
Wieviel CO2 entsteht durch Silvesterfeuerwerk?
Artikeln, mit klarer Position gegen Feuerwerk, ist eine deutschlandweit jährliche Treibhausgasemission von ca. 2.300 Tonnen durch Feuerwerk zu entnehmen. Dies entspricht 23% der pyrotechnischen Nettomasse (10.000 Tonnen/Jahr).
Die Zahl bezieht sich nicht auf die ausschließliche CO2-Produktion, sondern umfasst alle weiteren, im durch Feuerwerk produzierten Treibhausgase, wie beispielsweise verschiedene Stickoxide.
Da keine Quellen und/oder Rechnungen, die diesen Wert belegen, zu finden sind, stocken wir nun auf den physikalisch-chemisch möglichen Worstcase auf: Treibhausgasemission von 100%, entspricht in unserem Falle nun 10.000 Tonnen pro Jahr durch Feuerwerk!
Doch wieso machen wir das? Die offiziellen Daten zur deutschlandweiten jährlichen Gesamtemission an Treibhausgasen, die auf der Seite des statistischen Bundesamts einsehbar sind, sehen nämlich wie folgt aus:
2017 lag die Treibhausgasemission, verursacht durch Verkehr, Industrie, Landwirtschaft, etc. bei 1.079.250.000 Tonnen, Quelle: Statistisches Bundesamt. Um diesen Wert auf der Zunge zergehen zu lassen, wird dieser Wert jetzt noch einmal ausgeschrieben dargestellt:
eine Milliarde neunundsiebzig Millionenzweihundertfünfzigtausend Tonnen. Vergleicht man nun unsere absolute Worstcase-Schätzung von 10.000 Tonnen mit der Gesamtemission, dann wird schnell klar, wie nichtig die Wirkung von Feuerwerk auf das Klima ist.
Verglichen miteinander würde der Worstcase nämlich ≈ 0,0000093 ≈ 0,00093% ausmachen. Wohlgemerkt, bezogen auf das Bruttogesamtgewicht aller Feuerwerkskörper.
Das Abbrennen von Feuerwerk allein ist nicht die einzige Quelle für Treibhausgas. Der Transport muss mit einbezogen werden. Laut „NABU“ erzeugt ein Containerschiff 15,1g CO2 pro Tonne Fracht pro Kilometer. Bei 10.000 t Feuerwerk und einer Strecke von ca. 5.000 km macht das eine Emission von 15,1 g * 10.000 * 5.500 = 830.500.000 g = 830,5 t CO2. Selbst nach Hinzurechnung der weiteren Treibhausgase ist dieser Wert im Gesamten Treibhausgas.
Dann gibt es noch ein großes Thema: CO2 Emission durch Zellstoffproduktion (vor allem Papier und Pappe). Für die Produktion von Feuerwerkspappe aus Altpapier werden ca. 200kg CO2 je Tonne Papier aufgebracht. Bei Produktion von neuem Zellstoff ca. 700kg/t. Infos gibt es hier auf der Website des Umweltbundesamtes. Gewöhnlich werden Feuerwerkskörper aus Altpapier hergestellt.
Wie zuvor erwähnt sind es ca. 30.000 Tonnen nichtexplosives Material, die pro Jahr im Feuerwerk verbaut und nach Deutschland importiert werden. Dies würde eine maximale CO2 Emission von 30.000 t * 0,2t/t = 6.000 t bedeuten. Dieser Wert ist sogar achtmal höher als die Treibhausgasemission, die durch das Abbrennen von Feuerwerk entsteht!
Somit summiert sich die Treibhausgasbilanz von Feuerwerk: CO2 durch 100% Verbrennung der Feuerwerkskörper + CO2 durch Transport + CO2 aus der Papierherstellung = 10.000 t + 830,5 t + 6.000 t = 16830,5 t (geringe Emissionen von anderen Treibhausgasen außer CO2 im Bereich Transport und Herstellung von Zellstoffen ausgenommen). Vernachlässigt wurden bei dieser Rechnungen die Emissionen für die Produktion der einzelnen Chemikalien, was den Rahmen hier sprengen würde.
Anteil durch das Zünden von Feuerwerkskörper an der Gesamttreibhausgasemission in Deutschland: ≈ 0,000016 = 0,0016% der deutschlandweiten Treibhausgasemission pro Jahr.
Wieviel Müll wird durch Feuerwerkskörper produziert?
Müll wird nach wie vor verursacht, wie vorher beschrieben geht die Entwicklung seit Jahren mit dem Ziel voran, dass dieser Müll aus 100% ökologisch abbaubaren Stoffen besteht. Auch hier geht die Branche mehrere Schritte in die richtige Richtung. Mit wie viel Müll ist konkret zu rechnen? Schätzungen der DUH zufolge wurden im Jahr 2018 ca. 40.000 Tonnen Feuerwerk nach Deutschland importiert. Dies entspricht nach einer allgemeinen Faustformel von Bruttomasse : Nettoexplosivmasse von 4 : 1 bei 10.000 T Nettoexplosivmasse einer nichtexplosiven, potentiellen „Müllmasse“ von 30.000 Tonnen auf ganz Deutschland verteilt.
Auch hier wollen wir uns das gesamte, haushaltstypische Siedlungsabfall-Aufkommen ansehen.
Im Jahr 2017 betrug dieses 46,2 Millionen Tonnen. Die Müllmenge durch Feuerwerk entspricht also ≈ 0,00065 = 0,065% der durch normalen Hausmüll verursachten Abfallmenge. Verglichen mit der Menge einer 1kg schweren Packung Zucker, ist das nichteinmal ein gehäufter Teelöffel davon. Man darf aber nicht vergessen, dass die von der DUH genannte Menge auch die Feuerwerkskörper für Großfeuerwerke mit einbezieht, also nicht nur Silvesterfeuerwerk betrachtet. Zudem wird ebenfalls Müll in der Silvesternacht durch Partyartefakte verursacht (Zerbrochene Flaschen, Kronkorken, Plastikbecher, jeglicher Vandalismus, etc.). Diese werden zusammen mit den Überresten des Feuerwerks durch die Stadtreinigung entfernt. Feuerwerk als Buhmann hinzustellen, ist hier also nicht zielführend.
Wie kann ich mich Silvester vor Lärm und Feinstaub schützen?
Um nun mit sicherem Gefühl in die Silvesternacht zu gehen, möchten wir an dieser Stelle noch einmal hilfreiche Tipps geben.
Feinstaub durch Feuerwerk: Feinstaub bewegt sich größtenteils mit der sichtbaren Rauchwolke durch die Luft. Der einfachste Weg, sich vor diesem Feinstaub zu schützen, besteht darin, die Rauchwolken zu umgehen. Im Allgemeinen bietet es sich an, Ballungszentren wie Markt- und Eventplätze zu meiden. So geht man gleichzeitig auch unschönen Begegnungen mit alkoholisierten Personen aus dem Weg. Wer sich weiter schützen möchte, kann ebenfalls eine Atemschutzmaske der Sicherheitsstufe FFP2 oder FFP3 tragen.
Zwei Dinge müssen noch angemerkt werden: 1.Feinstaub dringt nicht durch ordnungsgemäß abgedichtete Fenster. Innerhalb der eigenen vier Wände wäre man also in Sicherheit. 2. Feinstaub bleibt nicht ewig in der Luft. Je nach Luftfeuchte und Wetter beschränkt sich der Zeitraum, bis der Feinstaub zu Boden geht oder sich zu größeren Strukturen zusammenschließt, auf wenige Tage bis wenige Stunden. Dies gilt natürlich nur solange, wie dieser Feinstaub nicht nachproduziert wird. Beispielsweise wird durch permanenten Straßenverkehr auch permanent Feinstaub durch Fortbewegungsmittel in der Luft sein. Da sich das Abbrennen von Silvesterfeuerwerk nur auf einen Zeitraum von maximal 48 Stunden beschränkt, wird bereits kurze Zeit nach Neujahr kein durch Feuerwerk produzierter Feinstaub mehr in der Atmosphäre schweben.
Lärm durch Feuerwerk: Größtenteils gehen Beschwerden von Hundebesitzern ein, welche von entlaufenden und verschreckten Haustieren berichten. Wie man verhindert, dass ein Tier die vier Wände verlässt und wegrennt, brauchen wir vermutlich nicht erklären. Für Tiere ist Feuerwerk nichts anderes als Gewitter. Durch gemeinsames Beobachten von Gewittern unterm Jahr kann die Angst des Tiers präventiv bekämpft werden. Gehörschutz für Tiere ist ebenfalls eine Option. Man kann auch zum Gehörschutz zum eigenen Bedarf greifen, gute Ohrenstöpsel können in der Apotheke, im Musikgeschäft oder beim Akustiker gekauft werden. Natürlich kann man auch leises Feuerwerk kaufen.
Unsere Beurteilung
Die Feuerwerksbranche ist mit Sicherheit nicht der umweltfreundlichste Bereich. Das liegt vor allem an Lärm und an verbautem Plastik. Hier werden Hersteller und Importeure von Feuerwerkskörpern nun besonders aktiv. Durch immer mehr leise Produkte wird dem Lärm vorgebäugt und durch Entwicklung von neuen Techniken wird Plastik schon bald vollkommen durch Pappe verdrängt. Das Ersetzen von Plastikpartikeln, die durch die Luft fliegen (Raketenspitzen und Heuler), wird zudem durch einen neuen Gesetzesentschluss für die nahe Zukunft verpflichtend.
Hier muss man sich aber im Klaren darüber sein, dass diese Ersatzrohstoffe nicht einfach aus dem Himmel fallen. Auch hier muss Fläche benutzt bzw. geopfert werden, um Pflanzen zur späteren Zellstoffproduktion anzubauen. Würde der komplette Bedarf an fossilen Stoffen durch pflanzliche Rohstoffe ersetzt werden, bräuchten wir ein derzeit noch einen Teil einer weiteren Erde.
Wir sind zudem der Ansicht, dass außerdem auch Plastik in Verpackungen und Standfüßen, genauer gesagt jeder Plastikartikel, der für technische Zwecke nicht notwendig ist, durch eine umweltfreundlichere Alternative ersetzt werden kann und ersetzt werden sollte.
Das Thema Toxizität und Feinstaub wurde von uns ausführlich beschrieben: Die Dosis macht das Gift und diese ist ohne starke Eigeninitiative (nach dem Motto „Gib mir mehr von dem Rauch!“) nicht zu erreichen. Feinstaub ist von sehr kurzer Lebensdauer und es ist kein Hexenwerk, sich vor diesem zu schützen.
Wir fordern dringend dazu auf, Informationen kritisch zu hinterfragen. Auf den ersten Blick ist es sehr einfach, gegen Feuerwerk zu hetzen.